• Annemarie Neuhauser

Raus aus der Komfortzone, die Ultimate Challenge 2019 – ein Mikroabenteuer der Superlative


Das Leben bietet viele Facetten, ob positiv oder negativ. Manchmal erfährt man in kürzester Zeit so viele Impulse von außen, dass man innerlich verzweifelt und erstarrt. Zumindest erging es mir derart.

Von intensiver Krankheit, Existenzängsten, über Verlust beziehungsweise Verrat von Freunden und bis zum Tod geliebter Menschen, durfte ich alles erfahren, dass ich kaum mehr Freude im Dasein empfand. Ich vegetetierte vor mich hin und funktionierte. Für eine Auszeit und Reisen fehlen mir die Mittel, mit Familie und vielen Tieren, die zu pflegen sind, kann ich nicht einfach frei machen und etwas ganz anderes starten.

Trotz einer der schlimmsten Phasen in meinem Leben, entschied ich mich Anfang Oktober bei einer Challenge teilzunehmen. Mit Gruppenkontakt auf Facebook und dadurch regen Austausch, wie sich herausstellte. Es galt darum in 90 Tagen, regelmäßig außerberufliche Wege zu Fuß zurückzulegen und diese versuchen, nach eigenem Befinden, Freude, Zeit oder Ambitionen bewusst zu erleben.

Meldelaeufer.de bietet seit ein paar Jahren, jeweils im März und Oktober die Möglichkeit, einen Monat durchlaufen, bewusst auf Achtsamkeit, innere Ruhe und durch den Gruppencharakter Motivation zur Ausdauer und die Freude an Bewegung zu steigern. Öfters habe ich außer Konkurrenz für mich selbst teilgenommen und wusste, was auf mich zukommt. Da heißt es wirklich konsequent sein und die eigenen Ziele kennen, sonst verliert man Tage und damit auch sein persönliches Ziel.

Als ambitionierte Läuferin schraubte ich mein Ziel auf 1661 – 1800 Kilometer, falls ich gesunde bleibe, die Beine mitmachen und nicht zu grausiges Wetter herrscht. Doch dazu sollte ich eine Durschschnittslaufleistung von über 25 Kilometer pro Tag zusammenbringen. Dies bedarf eines konkreten Plans. Streakrunning, also täglich mindestens eine Meile oder 1,6 Kilometer laufen machte ich bereits in meiner früheren Laufbahn, aber da ich auch Rad fahre und andere Sachen machen will, sah ich keinen Sinn für mich, darin. Nun, bei wenigstens 25 Kilometern Wunschlaufleistung am Tag, meinen mich sehr belastenden Lebensumständen, entschloss ich mich für diese Taktik. Vorfreude auf steife Oberschenkel inbegriffen.

Die Tage verliefen ganz unterschiedlich. Das Wetter meist sehr angenehm, selbst wenn ich aus zeitlichen Gründen, die Nächte nutzen musste. Wesentlicher Bestandteil des Erfolges ist, sich intensiv mit dem eigenen Körper auseinander zu setzen. Es gab Tage, an denen nichts mehr ging. Von Magenproblemen, bis zu argen Krämpfen, an denen nur noch der Wille und die hilfreichen Mitstreiter mich zur Bewegung brachten, als gegen Ende, das rechte Knie nicht mehr wollte und ich nur noch stundenlang des Weges schleifte. Die Beine schwer, als würde es bei jedem Schritt einen Schlag in den Bauch geben.

Mit den Laufleistungen meiner Challenge-Gefährten befasste ich mich eigentlich kaum. Sehr gerne sah ich mir die Bilder auf facebook an oder ab und zu kurz eine Videosequenz, aber was man bei diesem kleinen Abenteuer erlebt, ist sehr subjektiv einzuschätzen. Für mich zählte die Auszeit, das Abschalten, einfach nur für mich sein, einige Stunden am Tag, die ich sonst am PC oder auf der Couch verbracht hätte.

Manchmal sehnte ich mich nach dem sonst gut zur Regeneration geeigneten Ergometer, für den ich keine Zeit opferte. Meine Dehn- und Kräftigungsübungen, dass ich das recht gesund überstehe und die 1661 km Mindestlaufleistung waren im Fokus. Meine sonst geschätzten Höhenmeter, die ich gerne sammle, mussten eliminiert werden. Die ganze Planung drehte sich nur noch um das Wesentliche und wie ich die ganzen 1661 km schaffen könnte. Die ganzen anderen Probleme, an denen ich nichts bewirken kann, drängten sich in den Hintergrund. Ich lernte, stärker wie gewollt, wieder glücklicher und zufrieden zu sein.

Selber zum Mental stark sein gezwungen, würde ich diese drei Monate zusammenfassen.

Ich verwendete viele Tapes, meine Geheimwaffe die Mozartsalbe und spezielle Kupfersocken, als legales Doping und der Wille siegte.

Manche Leute aus meinem Umfeld, die das Ergebnis sahen fragen mich, wieso ich nicht die 661 km, die Gesamtkilometerleistung beim Mindeststreak von einer Meile, gelaufen bin und damit zufrieden sein kann. Warum sollte ich. Abgesehen von einem etwas geschwollenen rechten Knie, geht es mir sehr gut.

Aus meinem angepeilten Ziel wurden schließlich 2413 km, die ich teilweise sehr mühsam zusammenbrachte. Ich wäre wahrscheinlich auch mit 1400 km zufrieden, denn es brachte mich trotz wenig Geld, arbeitsintensivem Job und anderen Verpflichtungen zu neuen Visionen und frischer Lebensenergie.

Es muss nicht jeder Laufen

aber suche dir, wenn du Abwechslung brauchst,

ein Ziel, das dir Freude macht,

das für dich erreichbar ist.

Mach einen so genauen Plan wie möglich.

Plane bewusst Pausen und Belohnungen ein.

Vielleicht findest du einen Gleichgesinnten, zur gegenseitigen Motivation.

Finde dadurch neue Inspiration!

Deine

sehr glückliche

Annemarie


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