Den inneren Schweinehund überlisten - Tipps einer Fitness-Trainerin

December 7, 2017

Als Fitness-Trainerin bin ich ständig damit konfrontiert: fehlende Motivation, um nach einer Verletzungspause wieder Sport zu machen. Meine Kunden erwarten von mir, dass ich sie motiviere. Das ist manchmal schwierig. Die Möglichkeit, dass mangelnde Motivation jemanden davon abhalten könnte, wieder den gewohnten Trainingsrhythmus zu finden, lag bis vor kurzem - ehrlich gesagt - völlig außerhalb meines eigenen Vorstellungsvermögens.

 

Ich konnte mich gedanklich gar nicht einfühlen, denn als leidenschaftliche Sportlerin und Trainerin gab es so etwas in meinem Leben überhaupt nicht. Ich konnte nicht verstehen, dass manche Frauen sportlich so unglaublich aktiv sind, regelmäßig und hart trainieren, glücklich und erfolgreich ohne Ende sind, und dann haben sie eine Verletzung und plötzlich geht nichts mehr. Einmal raus aus dem Sport? Immer raus? Für mich unfassbar.

 

Plötzlich war ich selbst in der Situation. Auf einmal konnte nachempfinden, dass der Weg zurück in die Bewegung und ins regelmäßige Training nicht für jede einfach ist. Was war passiert? Unser Umzug von Klausen, einem kleinen Wallfahrtsort in der Eifel nach Mallorca war geschafft, das Haus eingerichtet, das Ende der Schufterei in Sicht. Mir ging es super gut, voll happy und in der Form meines Lebens.

In Gedanken stellte ich mir bei den letzten Kisten auspacken schon vor, nach dem morgendlichen Workout auf der neuen Terrasse in der warmen Morgensonne in den Pool zu springen. Leise meine Bahnen zu ziehen. Ein herrliches Gefühl.

 

Doch Pustekuchen: Das Leben hatte etwas dagegen. An nächsten Morgen bin ich mit Schmerzen aufgewacht. Diagnose: Verkalkung der Schulterkapsel plus Schleimbeutelentzündung. Hee? Superaktiv, 35 Jahre alt, Verkalkung? Kann doch wohl gar nicht sein. Doch es war so. Von einem Tag auf den anderen ging gar nichts mehr. Ich konnte meinen rechten Arm nicht mehr bewegen. Für mich, die immer auf Trab ist, ein Riesendrama. Es war Schonung angesagt, Doc ganze drei Monate.

 

Ich konnte es nicht fassen und fing an, morgens von meiner Terrasse aus, neidisch den Joggern am Strand hinterherzuschauen. War auch neidisch auf die Workout-Gruppen, die dort im Sand ihre Übungen machten. Ohne mich. „Kannst Du auch bald wieder,“ dachte ich, “die Zeit kriegst Du schon rum.“ Immer schön positiv bleiben.

Nix da. Wieder Pustekuchen. Ein undefinierbarer, innerer Schweinehund hatte schleichend von mir Besitz genommen. Nach vier (!) ganzen Monaten, suchte ich immer noch die fitte, leidenschaftliche Trainerin von gestern in mir. Meine Motivation war wohl im Meer vor meiner Haustür davongeschwommen.

 

„Morgen! Morgen ganz bestimmt!“, dachte ich immer und immer wieder, stellte jeden Abend  meinen Wecker extra früh, und - blieb doch liegen. Der Morgen kam und NICHTS passierte. Was ich am Abend noch als brennenden Wunsch in mir spürte, war am nächsten Morgen nicht mehr da. Einfach weg! Unbegreiflich. Ich frage mich verzweifelt, ob ich jemals wieder in gewohnter Sportpower trainieren könnte.

 

Und da konnte ich auf einmal genau nachvollziehen, wie sich meine Kundinnen gefühlt haben müssen. Dieser ständige Kampf mit sich selber. Ausreden finden, warum man nichts tut. Die wurden übrigens von Tag zu Tag kreativer!

 

Ich suchte gedanklich den Weg zurück: Was habe ich mit meinen Kundinnen gemacht? Wie habe ich ihnen liebevoll, aber kräftig „in den Hintern getreten?“ Das muss doch bei mir auch funktionieren. Ehrlich, ich hatte die Nase von meinem eigenen, blöden Jammern so gestrichen voll! Kennst Du das?

 

Dann habe ich das Zepter wieder in die Hand genommen, meine alte Disziplin ausgepackt und mir selbst Regeln aufgestellt. Damit habe ich es geschafft. Plötzlich war ich wieder an Board des Sports. Endlich! Und so happy!

 

Willst Du wissen, wie ich das gemacht habe? Schlussendlich war es doch ganz einfach. Die Entscheidung hat zuerst im Kopf stattgefunden: Ich wollte es! Ich habe mich bewusst dazu entschlossen, wieder Sport zu machen, komme, was da wolle. Keine Ausreden mehr! Punkt!

 

Dann habe ich mir eine Strategie mit festen Regeln gemacht, meine ganze Disziplin genommen, Zähne zusammengebissen und losgelegt.

Hier sind meine Tipps:  

 

Strategie Punkt 1: Bei einem Kurs anmelden. In meinem Fall ein Yoga-Kurs. Der Weg zum Studio darf nicht zu weit sein.

 

Strategie Punkt 2: Eine Deadline mit Datum setzen. Ich habe mich verpflichtet, sie einzuhalten. Um das zu schaffen, habe ich sie innerhalb der Familie kommuniziert und zusätzlich überall im Haus Zettel aufgehängt.

 

Strategie Punkt 3: Im ersten Monat mindestens zweimal pro Woche feste Termine im Kalender eintragen und ausreichend Zeit einplanen. Nichts darf so wichtig sein, um diesen Termin abzusagen.  

 

Strategie Punkt 4: Nach der Arbeit direkt zum Sport fahren. Ich wollte meinem gemütlichen Sofa zu Hause erst gar keine Chance geben, mir verführerisch zuzuwinken, wenn ich heimkomme.  

 

Strategie Punkt 5: Ein Fitness-Studio in der Nähe suchen, dort anrufen, einen verbindlichen Termin mit einem Trainer ausmachen. Ich selbst habe in einen Personal Trainer investiert, ihn verpflichtet, mich so lange zu trainieren und in die Verantwortung zu nehmen, bis ich wieder in meinem Rhythmus bin. Das kostet Geld, aber das war es mir wert.    

 

Strategie Punkt 6: Ich habe alle Vorteile, die Sport mir bringt, aufgeschrieben und überall aufgehängt, für jeden sichtbar auf. Ich persönlich fühle mich dank des Sports ausgeglichener, Leistungsfähiger und ich schlafe besser.

 

Strategie Punkt 7:  Suche Dir eine Freundin, die bereits aktiv ist oder aktiv werden möchte. Tut Euch zusammen. Schafft Verbindlichkeit. Motiviert Euch gegenseitig.

 

Strategiepunkt 8: Schaue Dir Sportvideos an. Ich schaue mir regelmäßig Videos meiner Lieblingssportler an. Danach bin ich immer sehr motiviert.

 

Strategiepunkt 9: Stelle ein Sparschwein auf, setze einen Strafbetrag fest. Sollte der innere Schweinehund sich melden oder negative Gedanken aufkommen, und Dich von Deinem Programm abhalten, musst Du dort einzahlen.

 

Strategiepunkt 10: Stelle Dir eine Playlist zum Joggen oder für Deine Workouts zusammen. Am besten wählst Du Lieder, die gute Laune verbreiten und Dich zusätzlich echt pushen.

 

Heute weiß ich: Ist der erste Schritt erst mal getan, geht der zweite schon sehr viel einfacher. Langsam geht es wieder in Richtung gewohnten Gang! Innerer Lazy Dog, ungeliebter Schweinehund ade!

 

Willkommen Sport, Bewegung und jede Menge Endorphine-Kicks! 

 

In diesem Sinne, viel Spass und Disziplin, 

Deine 

Francesca

 

 

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